Unser Team

Lukas Naab, 30 Jahre, studiert Religionswissenschaft und Politologie an der Goethe- Universität Frankfurt und leitet die Übung: „Der Umgang mit nonverbalen Quellen in der Religionswissenschaft.“

Vorverständnis:

Als Religionswissenschaftler versuche ich sowohl den kulturwissenschaftlichen, als auch den phänomenologischen transzendenzoffenen Zugang zur Religion in meine Arbeit einfließen zu lassen und für meine Arbeit einen neuen methodologischen Agnostizismus zu entwickeln, der emphatisch auf religiöse Phänomene zugeht und versucht sie ernst zu nehmen. Sowohl der methodische Atheismus (Naturalismus) als auch die offen Frage (also der echte! Agnostizismus) sollten aus meiner Sicht gleichberechtigte Partner der engagierten Religionswissenschaft sein. Ich möchte aufzeigen, dass es möglich ist, beide Ansätze in konkreter Forschung zusammen zu bringen. Gerade weil ich der Meinung bin, dass mit einer rein naturalistischen ausgerichteten Religionswissenschaft der Kern des Gläubigen vollkommen außer Acht gelassen wird.

Bei diesem Ansatz hilft es die Religionsästhetik mit an Bord zu holen. Alles empirische Wissen, um neuronale Vernetzung im Gehirn hilft wenig, wenn die Menschen ihren Glauben an ein Gefühl binden und sich ihres Gefühls sicher sind. Und genau dieses Gefühl ist meiner Ansicht nach ernst zu nehmen – egal wie es die Neurobiologie erklärt. Hier ist der Sinn und Geschmack für’s Unendliche, das Numinose, ja vielleicht auch das Heilige in allen seinen Ausprägungen eine anthropologische Konstante. Diese Konstante ist vielleicht rein formal neurobiologisch, evolutionär oder soziologisch kulturwissenschaftlich zu erklären – aber befriedigend ist diese Erklärung für die Gläubigen nicht. Ich denke, dass hier die Religionswissenschaft/  Religionsphilosophie ein echtes interkulturelles Verstehen möglich machen kann, dass über „Religionswissenschaftliche Tatbestände“ hinausgeht und sich in einem normativen Diskurs bewähren kann.

Mas Bro, 21 Jahre, studiert Sprachen und Kulturen Südostasiens und vergleichende Religionswissenschaft

Vorverständnis 

Wenn es um die Religionswissenschaft geht bediene ich mich des methodologischen Atheismus. Für mich ist es nicht wichtig, ob oder dass etwas Transzendentes gibt, wichtig ist für mich wie die Glaubensgemeinschaft zusammen interagiert und was sie zum Glauben bringt. Dafür verwende ich den empirischen Ansatz, da dieser Ansatz mir am glaubwürdigsten erscheint, auch wenn die Ergebnisse einer empirischen Studie nur für die Menschen sprechen, denen man eine Stimme gegeben hat. 

Sören Schlüter, 22 Jahre alt,studiert Soziologie im Hauptfach und Religionswissenschaft im Nebenfach.

Vorverständnis

Schon zu meiner Schulzeit habe ich mich für das Fach Religion interessiert. Setzte ich mich in dieser Phase hauptsächlich noch speziell mit dem evangelischen Christentum auseinander, so begann ich mich später für andere Religionen zu interessieren. Ich habe mich daher bewusst dazu entschieden Religionswissenschaft zu studieren. Im Gegensatz zur Theologie ermöglicht mir dieses Fach einen Einblick in die gesamte Breite der Weltreligionen. Zudem lässt sich Religionswissenschaft mit meinem Hauptfach kombinieren, da sich auch Bezüge zur Soziologie herstellen lassen, gerade wenn es um die Religionssoziologie geht, die eine der Themengebiete der Religionswissenschaft darstellt. In meinem Hauptfach setzte ich mich mit ihr in Bezug auf Max Weber auseinander.

Aufgrund von Taufe und Konfirmation bin ich Teil der evangelisch christlichen Gemeinde. Durch meine Familie gelte ich jedoch nicht als streng gläubig, was sich u.a. darin widerspiegelt, dass ich Gottesdienste nur selten im Jahr besuche. Im wissenschaftlichen Rahmen gehe ich von einem methodologischen Theismus aus, da ich der Ansicht bin, dass Gott existiert. Dies verleitet mich dazu die Frage nach Gott in das Zentrum der Religionen zu stellen.

Naeem Ahmed Sheikh, 23, studiert vergleichende Religionswissenschaft und Ethnologie an der Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main.

Vorverständnis

Als Religionswissenschaftler werde ich mir zunehmend der Bedeutung von der empirischen Erforschung der aktuell gelebten Religion bewusst. Ich vertrete die Ansicht, dass man eine Religion und ihre verschiedenen Ausprägungen in ihren zentralen Glaubenslehren zwar durch Literatur verstehen kann. Um aber die Religionsanhänger zu verstehen, reicht meiner Meinung der Lehnstuhl nicht aus, auch wenn es zu einigen Bereichen gute Feldforschungen gibt. Wenn man einen Beitrag zum Fach leisten möchte, kommt man nicht darum herum sich selbst in das sogenannte Feld zu begeben, in die Religionsgemeinden oder zu einzelnen Gläubigen zu gehen, sie zu interviewen, mit ihnen einen Dialoge zu führen, um sie in ihrem Selbstverständnis wahrnehmen zu können. Denn viele Probleme im Fremdverstehen folgen daraus, dass man die Selbstwahrnehmung der Menschen nicht einbezieht, sondern auf veraltete oder vorurteilsbeladene Literatur zurückgreift. Außerdem vertrete ich die Ansicht, dass eine Identifikation mit einer Religion nicht nur durch ,,Signifikat im Sinne einer Lehre“ erfolgt, sondern auch ,,ihre Klänge, Gerüche und Formen als solche von Bedeutung sind und wesentlich zur Bindung ihrer Anhänger beitragen“, wie es Daniel Münster formuliert. Dieses Selbstverständnis kann man dann später mit seinem Fremdverständnis und der Theorie vergleichen und analysieren. Denn wenn wir als Religionswissenschaftler gesicherte Ergebnisse zu unserem Forschungsgegenstand liefern wollen, die im besten Falle die Theorie und Methodologie bereichern, müssen wir dialogischer arbeiten, denn das, was wir erforschen ist nun einmal Religion und welche Religion kommt schon ohne Menschen, ohne den Glauben Praktizierende, Überliefernde, Verbreitende, etc. aus?

Wir sehen zunehmend, dass man mit einem rein szientistischen, positivistischen Wissenschaftsverständnis gerade in den Geistes-und Sozialwissenschaften schnell an die Grenzen des Versehens stößt und die Wirklichkeit nicht angemessen wiedergeben kann. Methodologisch operiere ich daher mit dem neu-phänomenologisch, dialogisch orientierten Agnostizismus enger Ordnung (Perry Schmidt-Leukel und Wolfgang Gantke) und bediene mich dabei Methoden aus der Kulturwissenschaft. An Empirie interessiert mich mehr die qualitative, als die quantitative Forschung. Es ist interessant zu wissen, dass sich heutzutage weltweit circa 1,6 Millionen Menschen zum Islam bekennen, aber viel interessanter ist doch warum. Ich vermeide mit dieser Herangehensweise das Phänomen Religion reduktionistisch zu behandeln, indem ich von vorn herein Dinge aus der Betrachtung ausklammere und den Menschen in seinem ,,religiösen Gefühl“ nicht ernst nehme. Die Devise lautet sich von apodiktischen Urteilen zu enthalten, was aber nicht bedeutet keine Einschätzung über einzelne Phänomene treffen zu dürfen. Transzendenzoffen heißt, ich schließe die Existenz von Gott und etwas, das man als religiöses Gefühl oder ,,ozeanisches Gefühl“, wie Romain Rolland es nennt, nicht aus. Ich vertrete auch nicht die Ansicht, dass Religion ein Lebensbereich wie Wirtschaft oder Politik oder gar nur Kultur sei. Religion regelt vielmehr, wie man die Welt wahrnimmt und sich zu ihr verhält. Sie regelt ebenfalls die sinnliche Wahrnehmung, wie beispielsweise die Hörgewohnheiten, was für das auf diesem Blog behandelte Thema besonders spannend ist. Woher nehme ich meine Position? Meine Position entspringt dem Verständnis, dass unser heutiges Wissenschaftsverständnis relativ zu betrachten ist und eben nicht das non-plus-ultra darstellt. Damit ist einmal gemeint, dass die atheistisch betriebene Wissenschaft eine relative junge Geschichte besitzt und zum anderen speziell in unserem christlich geprägten Kulturraum entstanden ist, wohingegen der Wissenschaftsbetrieb in anderen Regionen der Welt fast immer mit dem jeweiligen Glaubenssystem eng verknüpft war oder die Grundlage für die Erforschung der Welt stellte. Damit meine ich beispielsweise die Rolle der buddhistischen, christlichen Klöster und Moscheen als Bildungseinrichtungen, die Ernährungs-und Arzneilehre der Hindus (Ayurveda) und der indigenen Völker, die Astrologie der Maya, die Mathematik und Baukunst der Altägypter und schließlich die sehr breite Wissenschaft in der Blütezeit des Islams, welcher wir unsere heutige Wissenschaft zu verdanken haben.

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