1. Einführung in das Projekt (Bitte zu erst lesen)

Auch in diesem Semester (SoSe 2013) fand an der Universität Frankfurt wieder unter meiner Leitung eine Übung zur Praktischen Religionswissenschaft statt. Nach der Ausstellung „Wie klingt Religion[1]“, der Übung: Was is(s)t Religion und der Entstehung des Blogs: „Die Bedeutung der Beschneidungsdebatte für die praktische Religionswissenschaft[2]“, fand die Übung dieses Mal unter dem Titel: „Der Umgang mit nonverbalen Quellen in der praktischen Religionswissenschaft“, statt.

Unser Interesse an diesen nonverbalen Quellen rührt daher, dass in der praktischen bzw. angewandten Religionswissenschaft, nonverbale Quellen eine immer größere Rolle spielen. Das Erkenntnisinteresse dieser Forschungsrichtung zielt nicht nur auf eine Texthermeneutik, sondern auch auf eine Lebenshermeneutik, die sich beispielsweise an musikalischen und bildnerischen Erscheinungsformen von Religion und verstärkt auch wieder am religiösen Erleben der Menschen orientiert.

Im Laufe des Semester kristallisierte sich dann bei den Studierenden das Interesse an gottesdienstbezogenen Klangerlebnissen von Gläubigen heraus. Da die Gruppe zu klein war, um ein ähnliches Projekt wie die Ausstellung: „Wie klingt Religion?“ zu realisieren, einigten wir uns darauf, dass jeder der 3 Teilnehmer der Übung ein eigenes kleines Forschungsprojekt starten würden.

Bevor die inhaltliche Erforschung der spezifischen Themen begann, nutzen wir das Semester, um methodologische Vorüberlegungen zum Thema Religionswissenschaft vorzunehmen. Dabei ging es mir in der Übung vor allem darum, dass die Studierenden ein Problembewusstsein dafür entwickelten, dass die Religionswissenschaft verschiedene Ansätze bietet, die sich nicht zwangläufig ausschließen. Dabei stand die Frage im Vordergrund, ob die Religionswissenschaft eine rein empirische Kulturwissenschaft[3] ist oder ob interkulturelle religionsphänomenologische Ansätze[4] auch nach dem „kultural Turn“ noch eine Berechtigung im Wissenschaftskanon haben.

Im weiteren Verlauf des Semester begannen wir damit uns Gemeinsam verschiedenen empirische und hermeneutische Zugänge für eine Befragung von Gläubigen zu erarbeiten. Dabei war es uns besonders wichtig, die Gefühle und das ästhetische Empfinden der Menschen in Bezug zu ihrer Glaubenserfahrung im Gottesdienst wiederspiegeln zu können. Die Menschen in Ihrem Glauben ernst zu nehmen und so ein interkulturelles Verstehen zu ermöglichen, ist gerade für eine engagierte Religionswissenschaft besonders von Nöten, da der Religionswissenschaftler sonst aus meiner Sicht keinen echten Zugang zu den Menschen erhält und er aus diesem Grund nicht an einem normativen Diskurs über das Erlebte und Erfahrene beteiligen kann. Auf welcher persönlichen Grundlage der Religionswissenschaftler dann Teilnehmer in diesen Diskursen ist, ist natürlich immer offen zu legen. Diese Offenlegung finden Sie in diesem Blog im Reiter „Unser Team“, um die einzelnen Projekte der Studierenden einordnen zu können.

In den Folgenden Einträgen dieses Blogs können Sie dann sehen welche Themen die Studierenden während des Semester bearbeiteten und wie sie sich mit ihren Thematiken auseinander gesetzt haben.

Das Format eines Internet-Blogs ermöglicht es den Lesern außerdem die einzelnen Beiträge zu kommentieren und kritisch zu hinterfragen. Wir bitten die Leser genau dies zu tun, um eine möglichst problemorientierte Debatte führen zu können. Wir behalten uns allerdings vor, Einträge die in irgendeiner Form beleidigend oder rassistisch sind, nicht in der Diskussion freizugeben.


[3] Wenn ich von kulturwissenschaftlich geprägter Religionswissenschaft spreche, beziehe ich mich dabei auf eine sehr spezielle Form des religionswissenschaftlichen Vorverständnisses. vgl. Handbuch religionswissenschaftlicher Grundbegriffe

[4] Substantialistische, hermeneutische Ansätze. Gantke, Wolfgang, Hat die Religionsphänomenologie angesichts des veränderten interkulturellen Kontextes noch eine Zukunft?, in Yousefi, Fischer Braun, Gantke, Wege zur Religionswissenschaft, Traugott, Bautz, Nordhausen 2007, S. 49.